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Kleinigkeiten

(38 x gelesen) im
Nov 07 2018

Mittwoch, 07.11.

 

Heute spür ich die Nadeln kaum. Gute Arbeit von der Schwester. Danke. Daisy ist auch zufrieden mit mir. Nur der Blutdruck ist zu hoch. 163/92. Ich gestehe, ich habe gestern Abend meine Tabletten nicht genommen. Vergessen. Kommt vor bei älteren Leuten...

Das Frühstück steht auch schon hier. Service wie im Hotel. Nur das frische Obst und Gemüse fehlt. Das Bett ist bequem zum Schreiben. Der Arbeitstag kann beginnen. Eine Webseite muss ich bearbeiten und einige organisatorische Dinge erledigen. Der Rest verteilt sich auf Tagebuch, Doku schauen und Ruhen.

Aber beginnen wir heute mit ein paar Zwischengedanken:

Ich war gestern mal wieder etwas ausgiebiger spazieren. Was heißt ausgiebig. Es gab Zeiten, wo ich am Stück 8 km unterwegs war. Gestern waren es 1,6 km. Bei Dialyse gibt es andere Maßeinheiten. Genau wie bei „Momente“ beim Taxi... Unterwegs ist mir aufgefallen, dass meine linke Hand ziemlich kalt ist. „Na und“, wird mancher meinen, „jetzt ist halt die Zeit für Handschuhe gekommen. Ist doch nur ne Kleinigkeit.“ Im Prinzip schon richtig. Aber...

Ich hatte keine kalten Hände, sondern nur eine kalte Hand, obwohl auf beiden Seiten das gleich Wetter war... Und es waren 10-12 Grad. Und hier beginnen die Kleinigkeiten sich zu summieren.

Wer meine Zeichnung vom Shunt verstanden hat (zugegeben, die ist nicht perfekt wissenschaftlich), sieht, dass die Arterie einen Kurzschluss hat und nur noch ein ganz geringer Teil des Blutes (vermute ich) in der Hand ankommt. Also wird die Hand nur noch von der zweiten Arterie versorgt. So gut sie halt kann. Deshalb wird sie nicht mehr so richtig warm. Eine Kleinigkeit. 

Eine andere Kleinigkeit dabei ist, dass dadurch auch die Sauerstoffversorgung geringer ist. Wie macht sich das bemerkbar? Wenn ich auf dem Teller mit der Gabel mein Essen traktiere, bekomme ich schnell mal einen Krampf in den Fingern oder ich kann die Gabel kaum noch festhalten. Nur ne Kleinigkeit. 

Eine weitere Kleinigkeit: das leichte Jucken auf der Haut bei den Einstichstellen. 

Noch eine? Du kannst den Arm neben Daisy nur sehr eingeschränkt bewegen und nutzen. Zum Beispiel schreibe ich hier alles mit einer Hand. Dazu bringe ich mir grad ein neues „Fünf-Finger-System“ bei, damit es schneller und effektiver geht.

Das sind schon vier Kleinigkeiten, nur bei der Hand. Soll ich weitere aufzählen? Dass man manchmal ziemlich geschafft ist nach 4 Stunden neben Daisy? Gut, das kommt im richtigen Leben auch häufig vor... Oder diese ständige Abhängigkeit von Daisy, ohne sie nicht mehr leben zu können? Wohl dem, der diese Abhängigkeit im richtigen Leben nicht hat... Oder dass du nicht einfach mal spontan einen Kurztripp an einem verlängerten Wochenende planen kannst, weil dein Aktionsradius durch dein nächstes Date mit Daisy zeitlich eingeschränkt ist? Oder die Urlaubsplanung? Die muss Wochen vorher mit dem Arzt geplant werden, damit er mit einem Dialysezentrum vor Ort planen kann, wann ich dort Termine in der Gastdialyse bekomme. Und diese sind nicht überall. Also Urlaubsorte möglichst ortsnah planen.

Alles Kleinigkeiten, die man doch locker wegstecken kann. Dabei hab ich noch gar nicht alle aufgezählt. Und als Außenstehender sieht man das sowieso noch etwas anders. Hab ich früher auch. Doch nun kenne ich das Vorher UND das Danach...

Sicher sind diese „Kleinigkeiten“ mit der Grund, dass Dialyse-Patienten nicht umsonst einen Schwerbeschädigten-Ausweis haben. GdB 100, also zu 100%... weil die Lebensqualität und die Teilnahme am normalen Leben doch stark eingeschränkt ist.

Nein, ich sehe meine Situation nicht negativ. Das hab ich schon in der ersten Woche beschlossen. Das Ganze hat auch viele Vorteile und seine guten Seiten. Konzentrieren wir uns lieber wieder darauf. Aber es lohnt auch, sich mal über diese Kleinigkeiten Gedanken zu machen. Am Besten schon im Vorfeld. Mir hat das gefehlt. Zum Glück bin ich ein grundsätzlich positiv eingestellter Mensch. Ich kann das eher wegstecken. Jemand anderes vielleicht nicht.

 

Ein Vorteil der Dialyse?:

Ich hab jetzt Zeit, um Geld zu verdienen mit der Bearbeitung einer Kundenwebseite und kann danach gechillt meine Doku-Serie weiterschauen.

Na dann...

 

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