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Dialyse-Tagebuch

 

22.10,2018, Montag

Wie fühlt man sich bei so einer Dialyse? Was und wie empfindet man als Betroffener, als Patient?

 

Der erste Tag war aufregend. Theoretisch weißt du alles , hast dich informiert, im Netz geforscht, vom Arzt Infos bekommen, hast den Raum gesehen, wo du dann mit noch fünf bis sechs Mitpatienten zusammen dich dem Personal und der Maschine anvertraust. 

Dann kommt nach der Theorie die Praxis. Und die beginnt schon vorher. Du wirst vom Taxi abgeholt, stehst draußen vor der Tür, weil du nicht weißt, wann genau es kommt, wo es hält, ob der Fahrer aussteigt und an der Haustür klingelt oder nicht. 

Es läuft gut. Netter Fahrer, nettes Gespräch, unbequemer Beifahrersitz. Ich hasse so steile Lehnen, die man im Bus nicht verstellen kann. Nach 20 Minuten dann in der Klinik. Ich muss mir ein Synonym dafür ausdenken. Klinik klingt so krank - und so fühle ich mich aber nicht. 

Eine freundliche Begrüßung der Schwestern, so als würden sie sich freuen, dass ich da bin. Ich bekomme ein Bett. Nennt man das so? Offiziell ist es wohl ein Dialyseplatz. Mein Platz ist ganz vorn an der Tür. Gegenüber der Tresen des Personals. Neben mir noch drei Plätze und denen gegenüber nochmal drei Plätze. Ein modernes Krankenbett, das man in die verschiedensten Stellungen bringen kann. Von der einfachen glatten Liege bis zum „Fast-Sessel“.
Dann beginnt die Zeremonie. Tasche und Jacke ablegen, Patientenkarte nehmen und zur Waage, Karte rein, stillstehen, Piepser abwarten, Karte raus, wieder zum Platz, hinsetzen. 
Dann kommt die Schwester und bereitet vor. Vene abtasten, Arm abbinden, desinfizieren. Und dann kommt DER Moment. Die Kanüle findet ihren Weg durch die Haut, durch die Venenwand in die Blutbahn. Sie ist größer als beim Blutabnehmen - und schmerzhafter. Mein erster Gedanke? Das soll ich jetzt jeden zweiten Tag über mich ergehen lassen??!!
Trotzdem ist es interessant , dabei zuzuschauen, wie die Schläuche angeschlossen werden und die Maschine gestartet wird. Mein Blut fließt durch die Schläuche zur Maschine und wieder zurück. Ca. 200 ml sind so ständig „außer Haus“, fließen durch eine Patrone, werden dort gereinigt und kommen durch einen anderen Schlauch aber dieselbe Kanüle wieder zurück. Später hab ich dann zwei Kanülen im Arm, einen Abfluss und einen Zufluss. Doppelter Schmerz? Die Schwester meint, der Arm gewöhnt sich dran, weil mit der Zeit die kleinen Nerven in der Haut langsam absterben... Soll ich mich darüber nun freuen oder nicht?
Nun gilt es, den Arm möglichst wenig zu bewegen. Und zu warten. Heute nur zwei Stunden. Die vergehen relativ schnell. So viele neue Eindrücke lassen keine Langeweile aufkommen. Außerdem bekomme ich ein Frühstück. Brötchen mit Belag und ein Glas Mineralwasser. Wunschgemäß. Wie wird das später, wenn es Alltag ist und vier Stunden dauert? Oder zur Nachtdialyse dann acht Stunden? Wir werden sehen...
Dann „Abbau“. Schläuche ab, Kanüle raus und Einstichstelle sofort abdrücken. Wie bei der Blutentnahme, nur eben größer und länger. 20 Minuten muss ich den Tupfer draufdrücken. Dann ein Pflaster und fertig. Zum Schluss wieder Waage, Jacke anziehen und nach Hause. 
Doch das gestaltet sich heute schwierig. Das Taxi kommt erst nach einer Stunde. Die Schuldfrage lasse ich hier unerwähnt. 
Wieder zuhause stelle ich fest, dass alles besser ablief als erwartet. Ich fühl mich nicht schlecht - aber auch nicht besser. Doch das wusste ich vorher schon. Eine spürbare Verbesserung tritt laut Arzt erst nach ca 4 Wochen ein. Es ist wie nach einem längeren Spaziergang. Etwas müde und bereit, sich hinzulegen. Das tu ich nach dem Mittagessen auch. 

Morgen dann dasselbe Spiel.
Bis dann...

 

 

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