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Mär 22 2019

Es ist Freitag. Das Wochenende steht vor der Tür. Das bedeutet? Ich muss 68 Stunden warten bis zur nächsten Dialyse. (3x24=72-4=68) Das hat sowohl Nach- als auch Vorteile. Ihr wisst ja, das Leben hat nicht nur Nachteile... Ein ganzes langes Wochenende tun und lassen können, was man möchte. Unterwegs sein können, ungebunden, frei, keine Klinik, keine Daisy, keine Pieksenadeln. Herrlich! Auf der anderen Seite dagegen... Die Giftstoffe sammeln sich an, das Wasser auch, du musst mehr aufpassen, was du wovon und wieviel essen kannst, damit die Kalium-, Natrium- und Phosphatwerte nicht zu hoch werden, darfst nicht übermäßig viel trinken. Und du bist am Montag Morgen froh, wenn das Taxi vor der Tür steht.

Doch nun kommt erst mal, das Wochenende. Heute wird wieder Ruhen angesagt sein nach der gemeinsamen Zeit mit Daisy. Solche Freundinnen sind immer etwas anstrengend. Aber nur solche... Zum Glück hab ich nur diese eine davon. Trotzdem liebe ich Daisy, sie ist so gut zu mir und sorgt dafür, dass es mir so gut wie möglich geht und dass ich überhaupt weiterlebe. Ich habe niemand anderes , der das für mich tun könnte. Sie ist meine einzige Chance. Deshalb darf sie auch etwas anstrengend sein. Bei anderen Freundinnen ist das sicher anders, oder?

Samstag. Bei DEM Wetter wäre Garten ideal. Möglichst sehr früh bis sehr spät. Kommt darauf an, wie der Patient sich fühlt. Aber im Garten einfach cool relaxen und dabei von der Hollywood-Schaukel zusehen, wie Petersilie und Unkraut wachsen, geht ja auch. Aaaaber: am Abend geh ich Essen. Ins Nachbarhaus. „Steakhaus zur Eule“. Ich kann von meinem Schlafzimmer oben durchs Fenster direkt auf deren Salatbuffet schauen.. Steht bei offenem Fenster der Wind günstig, kommen herrliche Düfte von bestem, argentinischen Roastbeef an meine Nase. Da ist es ein absolutes Muss, dort öfters mal diesen Duft auch über den Gaumen gleiten zu lassen. Und genau das tue ich morgen Abend. Mit einem Teil meiner Familie. Bei insgesamt sechs erwachsenen Kindern inklusive Anhang wird es bei uns immer den Status „mit einem Teil“ geben. Eine in Peru, eine in der Schweiz, einer im Allgäu, einer in Baden-Württemberg, eine bei Nürnberg, einer in Lich, gleich nebenan. Bring die mal alle zusammen! Unmöglich!

Abends also Steak mit Wedges, Salat, ein Rotwein, ein Joghurt-Dessert mit Walnüssen, mit einem Teil der Familie. Da kann ich nicht bis ultimo im Garten bleiben, brauche davor genug Ruhe.

Am Sonntag dann „großer Tag“. Warum auch immer. Da ist abends Kino angesagt. Auf Anraten von „kinoticket-blog.de“. Auch ein Teil meiner Familie...

Und dann kommt das oben erwähnte Taxi am nächsten Morgen. Man kann also als Dialysepatient ziemlich agil sein. Und auch beim Essen mal richtig zuschlagen. Vorausgesetzt, man hat sich vorher an die Regeln gehalten und die Werte sind alle im grünen Bereich. Man kann das Leben immer noch genießen. Mit einigen Einschränkungen zwar, aber man kann. Und das nicht nur an den Wochenenden.

PS: Der zweite Kaffee, den ich mir heute erlaube, schmeckt bei weitem nicht so gut wie der erste. Obwohl er aus derselben Kanne kommt. Der Versuch war’s wert. In Zukunft gibt es wieder nur noch einen.

Noch aktuell 3:01 Dialysezeit. Genug für Kopfhörer und Genießen auf die andere Art. 

Bis Montag dann! In einem anderen Leben! Man liest sich

 

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