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Feb 25 2019

Montag

 

Cooles Wochenende! Fing zwar nicht so weltbewegend an, weil das Streßlevel entschieden zu hoch war, aber dann...

Das Wichtigste daran war, dass ich mal wieder draußen war. Richtig draußen und richtig lange. Ich war am Samstag über 10 Stunden im Garten. Die Piekseschwester hat mich heut morgen gefragt, was ich da so lange gemacht habe. „Fast nichts.“ Etwas, das mir all die Jahre vorher kaum passiert ist. In 10 Stunden etwas Laub geharkt und zwei Obstbüsche geschnitten. Das war´s. Den Rest der Zeit auf einem Stuhl in der Frühlingssonne gesessen oder im Wohnwagen unter die Decke gekuschelt und geschlafen. Reicht doch für jemanden, der vorher nur immer müde und abgekämpft war, oder? Woran liegt´s? Epo? Die regelmäßigen Eisengaben? (Ich möchte nicht mehr von „Attentaten“ sprechen, weil es mir doch anscheinend gut bekommt und ich sie auch gut vertrage.) Obwohl der Hb-Wert heute noch bei 10,2 liegt. Ab 13 - 17 Gramm pro Deziliter sprechen wir von normal. Da geht also noch was! Doch langsam spüre ich einen Aufwärtstrend. Auch gestern bin ich komplett ohne Mittagsschlaf ausgekommen. Ist mir schon Monate nicht mehr passiert.

Kalium bei 4,6. Zwischen 3,5 und 5,1 mmol/l ist der grüne Bereich. Anscheinend mache ich bei der Ernährung vieles richtig. Die Schwester fragte mich, was ich denn überhaupt hier wolle, wenn meine Werte so gut sind... Naja, Zeit mit Daisy verbringen, Zeit haben, streßfreie Zeit haben, Ausruhen können, nicht bei jeder Entscheidung oder Meinung sich bis aufs Messer erklären oder „verteidigen“ müssen, einfach nur vier schöne Stunden sein, wie ich bin genießen. Ähnlich wie im Garten. Grund genug? Würde mir schon reichen. Und darüberhinaus sorgt Daisy noch dafür, dass meine Werte so bleiben bzw. noch besser werden. 

Zum Frühstück heute wieder einen Kaffee. Kann ich mir leisten. An die Brötchen hab ich mich gewöhnt. Heute sind sie sogar ziemlich frisch und knusprig. Man kann sich ja an alles gewöhnen...

 

Doch es gibt Dinge, an die ich mich vielleicht nicht gewöhnen werde.

Neulich (oder war es schon überneulich?) lag links neben mir ein älterer Herr. Von mal zu mal hatte sich sein Gesundheitszustand verschlechtert. Eines Tages lag er nicht mehr neben mir. Es war vorbei...

Seit ich Mitte Oktober hier bin, lag rechts neben mir ein älterer Herr. Agil, immer für Scherze bereit, erzählte gerne, lief nach jeder Dialyse festen Schrittes aus dem Zimmer. Eines Tages kam und ging er dann immer im Rollstuhl. Um es abzukürzen: Seit zwei Wochen kommt er gar nicht mehr. Die Beerdigung war letztes Wochenende...

Eine ältere Patientin, die hier auf einer anderen Station liegt, wird im Extra-Raum dialysiert. Soweit man erkennen kann, geht es ihr nicht besonders gut und wird auch nicht besser. Seit letzter Woche ist das Zimmer leer...

Heute liegt links neben mir eine ältere Frau. Ihr Zustand? Nicht weltbewegend. Mal sehen...

Ohne dabei nun in unkontrollierte Panik zu geraten, werfen solche Ereignisse doch Fragen auf. Man beobachtet seinen Körper anders. Woher kommt das Kribbeln in den Händen und im rechten Fuß? Warum juckt es an der Stirn? Und warum nur rechts? Warum sticht es manchmal in der Herzgegend und in der linken Wade gleichzeitig und im selben Rhythmus? Warum ist der Blutdruck manchmal unter 100 und dann wieder bei 169? Wird sich das wieder bessern, dass die linke Hand sich geschwollen anfühlt? Oder dass man nicht mehr völlig außer Atem ist, wenn man zwei Stockwerke hochläuft? Werden sich die Zysten in den Nieren vergrößern? Kommt deshalb mal eine OP auf mich zu? Kommen die Schmerzen im Rücken „nur“ von den Bandscheiben oder ist wieder eine Nietenbeckenentzündung im Anmarsch? Wird das mit der Dialyse immer so gut gehen, wie bisher? Krieg ich Aneurysmen am Arm und wie groß werden die? Wird das etwas unsichere Laufen besser oder sollte ich über einen Stock nachdenken? Wie lange kann ich noch sicher Auto fahren? Wer ist hier im Raum der/die Nächste...?

Mehr oder weniger wichtige Fragen, über die ein Normalsterblicher so gut wie nie nachdenkt. Ich weiß das, war früher selber mal normalsterblich. Und Fragen, die niemand sieht und sich nur wundert, warum man manchmal so nachdenklich oder verschlossen ist. 

So, wie letztes Wochenende grad...

 

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