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Was soll‘s?

(40 x gelesen) im
Jan 21 2019

Montag

 

Mein Kopf ist voller Ideen. Ob das an der totalen Mondfinsternis liegt, die draußen grad zu Ende geht? Wohl kaum. Ich hab den Eindruck, dass heute die Zeit oder der Platz zum Schreiben nicht ausreicht. Oder ich muss mich beschränken auf nur ein Thema.

 

Neulich fragte mich jemand, was ich denn hätte wegen der Dialyse. Ich werde doch mit dem Taxi morgens abgeholt und mittags wieder zurückgebracht, sogar bis vor die Haustür. Das sei doch alles ganz easy.

Stimmt. Das mit dem Taxi ist mittlerweile wirklich ganz easy. Aber...

Es gibt ja noch Zeiten dazwischen. Von Taxi früh bis Taxi mittag. Aber da ist man versorgt. Man liegt da einfach bequem nichtstuend im Bett und wartet seine Zeit ab. Die Maschine (ich sag hier bewusst nicht Daisy) macht alles und die beiden Nadeln, so dick wie Streichhölzer über vier Stunden im Arm, mein Gott, andere müssen auch mal zum Impfen.  Und das bisschen Blutwäsche, da soll man sich nicht so wichtig tun, das läuft doch nebenbei. Dann bekommt man Frühstück serviert, sogar ans Bett. Wie viele träumen von einem romantischen Frühstück im Bett? Wir haben das dreimal pro Woche! Und dann einfach die ganze Zeit relaxen. Tun, was man möchte oder nichts tun. Wer kann sich das denn heutzutage in der grausamen Arbeitswelt noch leisten? Hier ist Stressfreiheit. Fernsehen schauen bis der Arzt kommt. Wenn er wieder weg ist, wieder Fernsehen schauen oder einfach nur dösen, schlafen, faulenzen. Das Personal kümmert sich um alles und wenn man mal was braucht, muss man nur rufen oder klingeln. Das ist doch kingmäßig. Wie im Wellnessurlaub.

Wäre noch die zweite Zeit. Von Taxi mittag bis übernächsten Tag Taxi früh. Auch das steckt man als Dia-Patient doch locker weg. Man kommt heim, kann sich hinlegen, wenn man möchte und schlafen oder wieder einfach nur nichts tun, solange man möchte, man wird sicher auch da rund um die Uhr versorgt mit Essen und allem, was man braucht und muss sich um nichts kümmern als um seine Krankheit, die ja eigentlich gar keine richtige ist. Was sich da im Körper und Kreislauf alles abspielt, fällt ja nicht weiter auf. Das sieht man ja nicht. Also kann man es sich weg-einbilden. Im Übrigen braucht man nur warten, bis das Taxi früh wieder kommt.

Also? Was gibt es da zu jammern?

 

Ein Nicht-Dialyse-Patient kann die Empfindungen eines Dialyse-Patienten so genau nachempfinden wie ein Mann die Gefühle und Schmerzen einer Geburt nachempfinden kann. Mindestens. Wer beschäftigt sich schon mit dem ganzen Rattenschwanz, der da noch dran hängt und der so lang ist, dass er dreimal um den Äquator reicht? 

Zum Beispiel: Daisy macht ihre Sache gut, sehr gut. Aber Maschinen sind auch nur Menschen. Die machen mal Fehler oder funktionieren nicht immer so, wie man erwartet. Passiert zwar äußerst selten, ist aber nicht auszuschließen. Dann die Verbindung zwischen (Dialyse-)Mensch und Maschine. Da ist jedesmal an zwei Stellen ein offener Blutkreislauf. Arteriell kaum ein Risiko. Kommt da aus Versehen Luft rein, kümmert Daisy sich darum. Venenseitig sieht das schon anders aus. Da kommt das Blut von Daisy schon zurück. Hier muss das Personal aufpassen. Und Menschen sind eben Menschen. Obwohl sehr aufmerksam und äusserst gewissenhaft, aber immer noch Menschen. Luft in der Vene? Embolie? Vielleicht in der Lunge? Vielleicht im Gehirn? Was man sich doch als Patient für unnötige Gedanken macht, während man gemütlich sein Frühstück im Bett genießt.

 

Nein, ich male den Teufel NICHT an die Wand. Ich kann gar nicht malen. Ich zeig hier nur ein einziges kleines Glied von dem Rattenschwanz. Ich hab das schon vor ein paar Wochen geschrieben: Erwarte als Dia-Patient von manchen Leuten kein Verständnis. Halte einfach deinen Mund und geh deinen Weg. Du schaffst das. Wenn es sein muss, jahrzehntelang oder länger. Andere haben es auch geschafft und schaffen das heute noch. Ich auch. Und du wirst es auch schaffen! Versprochen!

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