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Nov 05 2018

27.10. 18, Zwischengedanken:

 

Ich hab drüber nachgedacht, welches Synonym ich für "Klinik" verwenden soll. Dabei ist mir aufgefallen, es geht da um viel mehr, als nur um einen Namen.

Welche Möglichkeiten gibt es denn?
Dialyse - Zentrum?
D - Zentrum?
Di - Centrum, besser Di-Centre?
DK, für Klinik?
DKL, für Klinik in Lich?

Klingt irgendwie doof.
Ich hab doch unser erstes Kind auch nicht IK1 oder 1.KTVEUHK genannt, sondern Isabelle.
Und unsere Katze hieß Maunzerle und nicht KaM oder MaKaVoKl (Maunzerle, Katze von Klobs).

Hier geht es um mehr.
Ich weiß nicht, ob jemand und wer überhaupt das nachempfinden kann.
Das ist nicht nur eine Adresse oder ein Gebäude oder ein Raum. Das ist ein Teil meines Lebens geworden. So wie mein rechtes Bein oder der linke Zeh. Das gehört jetzt zu mir, ist ein Teil von mir, ohne das ich nicht mehr leben kann. Mit dem bzw in dem ich fast jeden Tag mehrere Stunden verbringe. Auch wenn es nicht implantiert ist, bin ich doch eine unlösbare Verbindung damit eingegangen. Ähnlich wie man zu seiner Angebeteten schwört: "Ich kann ohne dich nicht mehr leben." Nur - hier geht´s wirklich nicht...

Es gibt also die "Klinik" als solche und es gibt die "Maschine", die in der Klinik steht. Ich brauch also zwei Namen.

Ich glaub, zu der Maschine habe ich eine engere Bindung als zum Gebäude. Fangen wir also damit an.
Offiziell heißt die Maschine "Fresenius 6oo8". Noch ziemlich jung und agil, gibt manchmal süße Töne von sich und ist wie wild auf mein Blut.
Umgangssprachlich hängt ein Patient an der "Maschine". Die Schwestern nennen sie "Gerät".
Aber das sind alles so Behelfsbezeichnungen wie oben bei meiner Katze. Doof.
Die Machine, das Gerät. Die Frau, das Mädchen. Also eindeutig weiblich.
Sie hat viele eineiige Zwillingsschwestern dort. Nur eine ist ein paar Jahre älter, die heißt auch anders.

Früher bei meinem Truck war das einfach: MAN 26/414 WB
Sie hieß Emma Enn. Ich habe sie geliebt! Und wie! Wie viele Stunden haben wir gemeinsam verbracht, Tage, Nächte, nur wir beide ganz allein. Wie oft habe ich sie geritten. Und nie hat sich jemand beschwert. Es gab kaum Eifersuchtsszenen zuhause, wenn ich mit IHR unterwegs war und nicht mit ihr. Emma Enn.
Aber das ist ein anderes Thema...

Wirklich ein anderes?
Mit dem neuen Mädchen bin ich in Zukunft öfters zusammen als damals mit Emma. Wir werden ein noch engeres Verhältnis haben miteinander. Ich werde sie lieben, sie begehren, total von ihr abhängig werden, auf ihre Reaktionen und Empfehlungen hören. Es verbinden uns ganz zarte Bande miteinander in Form zweier dünner Plasteschläuche. Ich werde mich ihr hingeben bis aufs Blut.
Wir verbringen viel Zeit miteinander, nebeneinander. Sie steht neben meinem Bett und wacht über mich, nimmt mir weg, was mich belastet, mich vergiften will, befreit mich von all dem Müll, der sich in mir ansammelt. Wer tut sowas noch?
Und dann ist da noch das Personal, das fast wie ein Seelenklempner dafür sorgt, dass unsere Beziehung immer bestens funktioniert, nie auseinander geht, dass die Liebe zueinander immer frisch bleibt.

Das ist nicht nur eine Maschine oder ein Gerät.
Ich werde sie Daisy nennen. Daisy, meine neue Freundin

 

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