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Tag drei

(33 x gelesen) im
Nov 05 2018

24.10. Mittwoch.  3.Tag

 

Erste gute Nachricht: Das Taxi ist pünktlich da. In der Klinik bin ich wieder an meinem Stammplatz. Die Kanüle ist heute schmerzhafter. Sind wohl noch zu viele Nerven ganz. 

Der Unterschied zu gestern: ich bin 3 Std angeschlossen. Frühstück, Ruhe, die Mitpatienten - alles wie schon die Tage vorher. Nur das Personal ist teilweise ein anderes . Und das Wetter draußen. Ab und an scheint die Sonne. Das ist aber die Welt draußen. Hier ist drinnen. Eine andere Welt. Eine, an die ich mich gewöhnen muss. Wochen, Monate, Jahre. Jahrzehnte? Mein restliches Leben hängt davon ab. Sein oder nicht sein...  nicht mehr sein. 

Ich entschließe mich bewusst zum Sein. Ich möchte leben, weiter leben. Noch sehr lange. Dazu ist es nötig, all die Neuerungen und Einschränkungen, die das alles mit sich bringt, bewusst positiv zu sehen. Welche Vorteile hat es? Was bringt es mir? Außer, dass es meine einzige Chance ist, am Leben zu bleiben? Was ist anders als bisher?

Neuer Lebensrhythmus. Feste Termine, die ich nicht versäumen kann. Neue Umgebung. Neue Leute, sowohl die Mitpatienten als auch das Personal. Nicht mehr nur allein zuhause als Selbständiger, sondern wie einen neuen, zusätzlichen „Arbeitsplatz“ zu haben mit „Kollegen“ drumherum. Zur Arbeit mit dem Taxi gefahren werden und wieder nach Hause. Fast wie im Abgeordnetenhaus des. Bundestages. Selbst die neue Tätigkeit hier ähnelt dem: Dasitzen und nichts tun, als warten, dass die Zeit vergeht und die anderen für sich arbeiten lassen. 

Dabei ist Nichts-Tun meist anstrengender als Gartenarbeit. Und auch langweiliger. Jetzt weiß ich auch, warum die Regierung oft auf so absurde Ideen und Gesetze kommt. Es ist der Kick gegen Langeweile. 

Auch heute vergeht die Zeit rascher als gedacht. Nach der Endzeremonie wieder warten aufs Taxi. 

Aber nur einen Moment. 

 

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